Gefahr Cyber-Mobbing

 

"Dunkelziffer bei Sexualdelikten gegen Kinder ist riesig" - dies sagt Julia von Weiler. Sie ist Psychologin, die sonst auf der Bundespressekonferenz oder als TV-Gast von Sandra Maischberger und Markus Lanz zu Gast ist. Nun war sie auch bei der 3. Fachtagung des DFB zum Thema Kinderschutz, in der sie erklärt um was es wirklich beim Cybermobbing geht und welche neuen Gefahren auch für den kleinen Verein in ländlicher Region binnen weniger Jahre entstanden sind.

Es sind Zahlen, die einem das Fürchten lehren. Auch Zahlen, wie Julia von Weiler erklärt, die wir alle eigentlich gar nicht hören wollen, weil die Vorstellung so belastend ist. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik werden mehr als 14.000 Kinder in Deutschland jährlich Opfer eines sexuellen Missbrauchs. Einer Studie in den USA zufolge sagen 13 Prozent der Befragten zwischen 10 bis 17 Jahren, sie seien schon online sexuell belästigt worden. "In Deutschland", berichtet von Weiler, "sagt jeder fünfte Jugendliche, dass über ihn oder sie schon mal beleidigende oder falsche Sachen im Netz gestanden haben.Die Dunkelziffer bei Sexualdelikten gegen Kinder sei riesig."


DFB-Broschüre gibt Hilfestellung für Vereine


Ralf Slüter vom Deutschen Kinderschutzbund, der im Auftrag des DFB Schulungen durchführt, erklärt wie Täter oft vorgehen: "Ein Übergriff fällt nie vom Himmel, das ist oft ein Step-by-step-Prozess. Es fängt mit einer mangelnden Nähe-Distanz-Balance an, dass man also jemanden anfasst, obwohl der das nicht will. Es gibt sexuelle Anzüglichkeiten, es kommt zum Küssen. Und dann geht das in den schlimmsten Fällen weiter bis schließlich zur Vergewaltigung. Was strafrechtlich relevant ist, dafür wandert man selbstverständlich ins Gefängnis. Aber auch die Anfänge sind nicht okay, der Sportverein muss reagieren." Dabei warnt Slüter auch vor Hysterie und Panikmache. "Kinder müssen die Welt entdecken wollen. Man sollte sein Kind sicher nicht so verängstigen, dass es sich am Ende gar nicht mehr raustraut. Das Wesentliche scheint mir, dass Eltern ihre Kinder wahrnehmen. Man muss Veränderungen mitbekommen."


Was ein Fußballverein gerade präventiv tun kann, erklärt die DFB-Broschüre Kinderschutz im Verein aus dem Jahr 2015. Johannes-Wilhelm Rörig, seit 2011 Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindermissbrauchs, lobt den Handlungsleitfaden. "Die Broschüre ist sehr gut. Wirklich jeder Vereinsvorstand und viele Vereinsmitglieder sollten die Broschüre genau lesen." Rörigs klare Empfehlung lautet: "Passivität hilft nur den Tätern." Wer schnelle telefonische Hilfe sucht, findet die über die Hotline des Beauftragten (Tel.: 0800 22 55 530).