Gastspiele von Ü70- und Ü75-Nationalteams
Weltmeister überrollt Schwaben
Flein. Das gab es in dem kleinen Weinort vor den südlichen Toren Heilbronns ganz sicher
noch nie: Gleich zwei deutsche Fußball-Nationalmannschaften traten am hellen
Freitagmorgen zu Freundschaftskicks gegen Auswahl-Mixteams aus den Regionen Franken
(Unterland) und Enz-Murr an. Der eigentliche Clou dabei: Die fußballverrückten Opas hatten
insgesamt über 4000 Lenze auf dem Buckel.
Um die hundert Zuschauer, darunter auch Fleins Bürgermeister Alexander Krüger und der
dieses außergewöhnliche Event als „toll“ lobende Vorsitzende des WFV-Fußball-Bezirks
Franken Hartmut Megerle, sahen zunächst das 1:1 zwischen den Ü70-Recken der
Nationalelf und den hauptsächlich aus Oldies des FSV 08 Bietigheim-Bissingen stammenden
Auswahlspielern aus den Enz- und Neckar-Gefilden. Torjäger Dieter Kurz (SC
Hohenhaslach) hatte in diesem Fight auf Augenhöhe die Führung der Bundes-Balltreter
egalisiert.
Ebenfalls unter der guten Leitung des 81-jährigen Schiedsrichters Peter Correll aus
Sontheim – er meisterte einst 34 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele und pfeift heute noch
Begegnungen der Kreisliga A – stand dann die einseitige Partie zwischen den heimischen
Akteuren und dem amtierenden Weltmeister der Ü75-Teams, von dem auch drei Spieler am
Bissinger Bruchwald trainieren.
Am Ende stand es 8:0 für die Senioren in den Nationaltrikots, die den Schwaben, bei denen
die Unterländer Fußball-Legende und Initiator dieses sportlichen Ereignisses Alfred Kulka
und dessen Bissinger Pendant Rolf Linkenheil mitkickten, eine Lehrstunde gaben.
Apropos Nationalteams: Das sind keine offiziellen DFB-Repräsentanten, sondern
Gemeinschaften, die sich aus Freude an diesem Sport und wegen der feinen Kameradschaft
von Kiel über Berlin bis Freiburg und von Thüringen bis Recklinghausen zusammentun, pro
Jahr rund 20 Spiele absolvieren und einst bis hinauf in die 2. Bundesliga aktiv waren.
Seit diesem Jahr treten die aktuell 54 „Alten Herren“ mit ihren Ü70-, Ü75- und Ü80-
Formationen unter dem Namen „Fußball 70plus Deutschland“ als eingetragener, von sechs
Managern geführter Verein mit Hauptsitz in Rosdorf (Göttingen) an.
Die Basis für internationale Wettbewerbe beziehungsweise die Ursprünge dieser
Vereinigungen gehen, wie der aus dem Raum Oldenburg stammende „Macher“ und für die
Spieler-Akquise Verantwortliche Günter Christmann in Flein erläuterte, auf Initiativen in den
USA, in Japan und Dänemark zurück. In Deutschland wurde die Ü70-Nationalelf 2017
gegründet, die Ü75 im Jahr 2024 und die Ü80 in 2025. Bemerkenswert und voller Stolz
schauen die deutschen Nationalhelden auf 2025 zurück, weil sie in Japan nach einem 3:0-
Finalsieg über England Weltmeister wurden und bisher sind.
Die nächsten Highlights sind in diesem Jahr für alle drei Mannschaften vom 8. bis 12. Juni
die Europameisterschaften in Wales. Denen folgt für die U75 zur Erinnerung an 1966 am 30.
Juni das „Wembley-Gedächtnisspiel“ in Manchester, ehe es vom 10. bis 18. Oktober für alle
drei deutschen Formationen zur Weltmeisterschaft nach Australien geht. Weil Sponsoren
fehlen, muss jeder einzelne Spieler dazu 10.000 Euro hinblättern – Fußball über alles.
24. April 2026 – Text und Fotos: Walter Christ

