Fairplaya-Ehrung
Rote Karte einkassiert – Jonas Netzer begeistert Bundesliga-Schiri
82. Spielminute im Bezirkspokal-Derby, Spielstand 0:0, Crunch-Time! Torjäger Jonas Netzer stürmt auf den Kasten der SGM Herlazhofen/Friesenhofen zu und kommt zu Fall. Eine klare Situation für den Schiedsrichter: Notbremse, Rote Karte für den Verteidiger. Doch der vermeintlich Gefoulte hat etwas dagegen: „Nach kurzem Gespräch kam die Information, dass das Foul eigentlich von ihm kam“, schilderte Sascha Daschner die Reaktion des 22-jährigen Jonas Netzer. Folgerichtig nahm der Unparteiische den Platzverweis zurück, das Pokalduell wurde in voller Besetzung des Gäste-Teams fortgesetzt.
Die WFV-Community wählte Jonas Netzer zum „BLEIB FAIR“-Monatssieger August. Am Dienstagabend folgte die verdiente Ehrung im Vorfeld des Trainings beim SV Gebrazhofen – mit hochkarätiger Unterstützung aus der Bundesliga.
Bundesliga-Schiri aus Wangen feiert Aktion
Ohne zu Zögern übernahm Robert Hartmann die Auszeichnung vor Ort. Der 47-Jährige, der für den bayrischen SV Krugzell pfeift, aber im benachbarten Wangen im Allgäu wohnt, leitet seit 2010 Spiele im deutschen Fußball-Oberhaus und hat 181 Erstliga- und 141 Zweitliga-Einsätze im Gepäck.
In seiner Ansprache erinnerte sich Hartmann an ein Erlebnis zurück, als er im Spiel des Karlsruher SC einen Elfmeter pfiff: „Damals gab es noch keinen Videobeweis. Es ist ein mieses Gefühl, wenn Du als Schiedsrichter nach dem Spiel in der Kabine sitzt und weißt, dass die Partie durch Deine Fehlentscheidung entschieden wurde. Mein Glück damals war, dass der gefoulte Spieler Dominik Peitz zu mir kam und sagte, dass er lediglich gestolpert war.“
Genau diese Brücke schlug Hartmann zum K.o.-Spiel im Bezirkspokal Bodensee: „Dem Schiedsrichter ging es nach der Korrektur bestimmt besser – am Ende sollen schließlich die Spieler auf dem Platz das Spiel entscheiden. Umso cooler ist es, wenn Spieler und Schiedsrichter zusammenarbeiten. Es gehört eine Menge Mut dazu, in so einer späten Phase eines Pokalspiels so etwas zuzugeben. So etwas kann man nicht planen, ich finde die Aktion überragend.“
Happy End im Elfmeterschießen
Jonas Netzer selbst reagierte auf das viele Lob trocken und abgeklärt: „Wir haben ja trotzdem noch gewonnen.“ Und was für ein Ende diese Partie nahm: Im Elfmeterschießen bewiesen die Hausherren Nervenstärke und zogen das Ticket für die nächste Runde. Als feine Geste des Dankes gab es vom Gegner Herlazhofen/Friesenhofen zudem zwei Kisten Bier als Anerkennung für die sportliche Fairness.
Womöglich hat Netzers Verhalten damit zu tun, dass er selbst im Besitz eines Schiedsrichterscheins ist. Oder schlicht damit, dass der 22-Jährige ein feiner Kerl ist. Abteilungsleiter Kai Riess: „Jonas hat diese Saison zwar schon fünf Tore erzielt, aber Vorlagen zu geben ist ihm noch wichtiger. Er ist ein absoluter Teamplayer.“
Ein Sonderlob gab es von Trainer Marius Lang auch in Richtung des Unparteiischen Sascha Daschner: „Dass der Schiedsrichter die Fairplay-Aktion von sich aus beim Verband gemeldet hat, ist keineswegs selbstverständlich.“ Dieser brachte im Spielbericht seinen Respekt zum Ausdruck: „Unglaublich tolles Fairplay, das sicher von sehr wenigen in der 82. Minute beim Spielstand von 0:0 im Pokal gelebt werden würde!“
Reichlich Geschenke im Gepäck
Neben den üblichen Monatssieger-Preisen, bestehend aus adidas-Rucksack, Wallet und Handtuch sowie zwei Tickets für ein Spiel nach Wahl im WFV-Gebiet, hatte Robert Hartmann noch persönliche Überraschungen dabei: Er überreichte dem Monatssieger ein DFB-Warmlaufshirt sowie zwei handsignierte Schiedsrichterkarten.
