Zeichen gegen Antisemitismus

Erinnerungstag im deutschen Fußball: „Nie wieder“ ist jetzt. Und immer.

Kurz vor Anpfiff am vergangenen Bundesliga-Wochenende richtete sich der Blick nicht nur auf Tore und Tabellen. Der 27. Januar ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz durch die Alliierten. An diesem internationalen Holocaust-Gedenktag erinnert der deutsche Fußball an die Opfer des Nationalsozialismus – und zeigt Haltung. Unter dem Leitmotiv „!Nie Wieder“ setzen Vereine, Verbände und Aktive sichtbare Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit.

Auch die beiden württembergischen Top-Vereine senden eine klare Botschaft: Beim Heimspiel des 1. FC Heidenheim ebenso wie beim Auswärtsspiel des VfB Stuttgart in Mönchengladbach hielten Mannschaften und Schiedsrichter ein Banner der Erinnerungskampagne in Richtung der Zuschauertribünen und Kameras.

!Nie wieder“, diese Mahnung der Überlebenden des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau wurde im Jahr 2004 zum „Erinnerungstag im deutschen Fußball“. Ein Bündnis aus Einzelpersonen, Fangruppen und Fanprojekten, Vereinen, Verbänden und Institutionen aus dem Fußball gedenkt seitdem den Opfern des Nationalsozialismus und engagiert sich für eine würdige Gedenkkultur und für ein Stadion ohne Diskriminierung.

Der Fußball hatte im „Dritten Reich“ nicht die Rolle eines unbeteiligten Beobachters. Viele Vereine wirkten aktiv an der Ausgrenzung und Entrechtung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger mit. Nationalspieler wie Julius Hirsch, Deutscher Meister von 1910, hatten trotz ihres Talents keinen Platz mehr in ihrem Sport – Hirsch wurde später in Auschwitz ermordet. Diese Geschichte macht deutlich: Politische Neutralität des Sports ist eine Illusion. Fußball steht immer in gesellschaftlicher Verantwortung.

Geschäftsstelle besucht „Hotel Silber“

Auch der Württembergische Fußballverband beteiligt sich an den Erinnerungstagen. Am heutigen Erinnerungstag besuchen die Mitarbeitenden der wfv-Geschäftsstelle den Erinnerungsort „Hotel Silber“ in Stuttgart. Das „Hotel Silber“ war während der NS-Zeit das Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei für Württemberg und Hohenzollern – ein Ort von Verfolgung, Gewalt und Terror. Nach jahrzehntelanger Nutzung durch die Polizei entstand dort in einem Bürgerbeteiligungsprojekt ein Ort des historisch-politischen Lernens und der Begegnung.

Verantwortung im Hier und Jetzt

Der Blick in die Geschichte zeigt: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Antisemitismus tritt häufig dort auf, wo demokratische Werte unter Druck geraten. Der Fußball – mit seiner Reichweite, seiner Emotionalität und seiner gesellschaftlichen Verankerung – trägt deshalb eine besondere Verantwortung, Haltung zu zeigen.

Gerade Vereine sind demokratische Gemeinschaften: Sie leben von Mitbestimmung, ehrenamtlichem Engagement, Fairness und gegenseitigem Respekt. Auf und neben dem Platz kommen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generationen und Lebensrealitäten zusammen. Diese Vielfalt macht den Fußball stark – und verpflichtet zugleich.

Erinnern heißt deshalb auch handeln. Vereine, Verantwortliche und Aktive sind aufgerufen, Demokratie, Vielfalt und Integration bewusst zu leben und zu stärken – im Vereinsalltag, in der Jugendarbeit und im Umgang miteinander.