Willkommen beim Fußball

Liebe Fußballfreunde,

Kinder wollen frei miteinander spielen, ohne große Anweisungen von außen. Sie wollen sich bewegen, Tore schießen, sich mit Gleichaltrigen messen und vor allem: Spaß haben. Diese Erlebnisse prägen ein Kind entscheidend für den weiteren sportlichen Lebensweg. Wem der Spaß am Kicken genommen wird, wird nie ein guter Fußballer werden.

Auch in meiner Kindheit stand die Freude am Fußball immer im Vordergrund. Es hat Spaß gemacht, Tore zu schießen, neue Tricks zu probieren und mit den Freunden zu kombinieren. Eine „kindgerechte Trainingsgestaltung“ existierte derweil noch nicht in diesem Umfang wie heutzutage. Mehr oder weniger haben wir das probiert, was wir bei den „Großen“ gesehen haben, und uns viele Sachen auch selbst angeeignet.

Heute ist die Situation viel spezifischer: Bereits mit vier Jahren kommen Bambinis und Bambinas in die Vereine und wollen Fußball spielen. Für sie und für alle Altersstufen benötigen wir ein Training, das den jeweiligen Bedürfnissen angepasst ist. Freude am Fußball soll und muss dabei gerade bei den ganz Kleinen alles andere überlagern.

Diese Aufgabe dürfen wir keineswegs unterschätzen, auch nicht unsere damit verbundene gesellschaftliche Verantwortung. Der Bewegungsmangel bei Kindern ist ein erkanntes Problem, der Fußball dagegen ein bewährtes Mittel. Die Folge ist offensichtlich: Das Kindertraining im Verein erfährt eine immer größer werdende Bedeutung. Deswegen freue ich mich, dass der Württembergische Fußballverband ein Buch zum Thema „Kinderspieltage“ veröffentlicht hat und aufgrund der großen Nachfrage sogar eine zweite Ausgabe dieser Publikation herausbringt.

Mein Rat lautet für alle Spielformen: Alle Kinder spielen mit! Keine langen Pausen für einzelne Kinder! Alle Beteiligten bilden ein Team! Trainer, Betreuer, Eltern und natürlich unsere kleinsten Nachwuchsfußballer und Fußballerinnen halten zusammen.

Ich bin überzeugt, dass die Zukunft unseres Fußballs auch mit den Angeboten für die Jüngsten entschieden wird. Deshalb sind kindgerechte Spieltage der Schlüssel für eine erfolgreiche Vereinsarbeit – zum Wohle unserer Kinder, zum Wohle des Fußballs.

Euer Horst Hrubesch
Ehemaliger DFB-Sportdirektor

Erlebnis kommt VOR dem Ergebnis

Nur wenigen von uns war es möglich im Vorschulalter bereits in einem Verein organisiert Fußball zu spielen. Dies lag in der Tatsache begründet, dass die große Nachfrage in Sachen Kinderfußball erst mit Beginn der 70er Jahre und den geburtenstarken Jahrgängen aufkam und die Zielgruppe der Kleinsten für Vereine interessant wurde. Zuvor gab es andere Zugänge zum Fußball – Straßenfußball wurde gespielt, andere Sportarten wurden betrieben. Die sportartübergreifende Bewegung stand im Vordergrund.

Grundlage im Kinderfußball sind einfachste Alltagsbewegungen

Der Kinderfußball ist eine verhältnismäßig junge Form des traditionellen Fußballs, den es weit über 100 Jahre gibt. 1969/70 gab es erste E-Junioren, 1977/78 folgten die ersten F-Junioren und gar erst Mitte der 90er-Jahre senkte sich das Eintrittsalter der Kinder auf 5/6-Jährige Bambinis ab. Für alle im Fußball engagierten Menschen ist es elementar wichtig, den kinderfußball mit den Augen eines Kindes zu betrachten. Die Systeme des damals bekannten bzw. ehemals selbst erlebten Erwachsenenfußballs wurden anfänglich den Kindern „übergestülpt“. Im Laufe der Zeit wurde nachjustiert, wurden Spielerzahl und Feldgrößen angepasst (F-E-D-C / 5-7-9-11), Regeln vereinfacht und eine neue Torgröße (5×2 m) sowie leichtere Bälle entwickelt. Dieser Prozess ist auch heute noch nicht abgeschlossen. Mit dem Aufkommen der Bambini im Fußball wurde mehr und mehr deutlich, dass Fußball – neben Turnen – die klassische Einstiegssportart für Kinder ist.

Doch vor

  • dem Antizipieren und selbständigen Beherrschen sowie Auflösen von Spielsituationen
  • dem genauen Treffen von Zielen, sprich Toren
  • dem Anwenden von Spieltaktiken und
  • dem Verstehen der Spielidee

geht es um das Beherrschen einfachster Alltagsbewegungen. Es geht um das Erlernen von Grundbewegungsformen bei unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Umweltbedingungen (gehen, drehen, beugen, hangeln, laufen, klettern, rollen, springen, krabbeln, hüpfen, kriechen, strecken, schieben, spreizen, stoßen, ziehen, drücken, wälzen usw.). Im Alter von sechs bis sieben Jahren steht dann das Erlernen der speziell für den Fußball benötigten Lauf-, Wurf-, Fang-, Sprung- und vor allem Schusstechniken im Vordergrund. Aus diesem Grund ist der wfv bestrebt, den Kinderfußball speziell für Bambini und F-Junioren weiterzuentwickeln.

Entwicklungen im Kinderfußball

Aktuell testen wir Vier-Tore-Spielformen (Funino) zur Förderung der Spielkompetenz und wir erproben den „Championsleague-Modus“ als Alternative zum klassischen Turnier mit Fußballspielen gemäß Spielplan und Wartezeiten dazwischen.

Unsere in Württemberg entwickelten Hallenspieletage beinhalten sowohl Grundbewegungsformen in einer Tummelzone als auch das von den Kindern erwartete Fußballspiel in seiner kleinsten Form 3 gegen 3 oder 4 gegen 4. Und das alles ohne Coaching von außen, ohne Schiedsrichter. Was in dem 70er Jahren noch vor dem Beginn des Vereinskinderfußballs auf Straßen und Plätzen ohne Zutun der Erwachsenen von Kindern selbst organisiert und gesteuert werden konnte, funktioniert heute nach wie vor. Soviel müssen/dürfen wir der heutigen Generation schon zutrauen.

Konkret: Bei einem Hallenspieletag wird eine Halle mittels Matten und umgelegter Langbänke in drei Drittel unterteilt. Zwischen zwei Spielfeldern (quer), in denen 4 gegen 4 oder 3 gegen 3 gespielt wird, befindet sich ein Tummelplatz. Hallen bieten sich hier geradezu ideal an, weil für den Aufbau der Tummelzone auf allerlei Geräte aus dem Fundus einer Sporthalle zurückgegriffen werden kann. In der spielfreien Zeit können sich Kinder bewegen und es kommt keine Langeweile auf.

Was sind die Vorteile?

  1. Alle können mitmachen! Es müssen keine Kinder einer Mannschaft zu Hause bleiben! Auch Geschwister finden ein Angebot zur Bewegung!
  2. Koordinative Fähigkeiten werden spielerisch geschult (Tummelplatz).
  3. Die Halle wird ein großer Familientreff in entspannter Atmosphäre.
  4. Alle Kinder haben Erfolgserlebnisse, Spaß und eine intensive körperliche Belastung.
  5. Tabellen & Turniersieger braucht es nicht. Die Kinder sollen vielmehr ohne Druck von außen erste wichtige spielerische Erfahrungen sammeln, verschiedene Positionen ausprobieren und lernen, sich in einem Team zurechtzufinden!

Für uns Erwachsene geht es heute mehr denn je darum, neu entwickelte Spielangebote aus Sicht der Kinder zu sehen. Wir schaffen die Rahmenbedingungen, aber sportlich aktiv sind letztlich die Kinder selbst. Neben dem Spaß und ersten Erlebnissen im Umgang mit dem Fußball geht es auch darum Spaß an der Bewegung zu vermitteln, um das Sammeln an Bewegungserfahrung, um das Erlernen von Körperbeherrschung. Dank selbst gemachter Erfahrungen sollen Kinder ihre persönlichen Grenzen erkennen und überwinden lernen, denn auch dieses sind Erfolgserlebnisse, ähnlich dem allerersten Tor, das jeder Fußballer in seinem Leben einmal erzielen wird.