Fußball und Gewaltprävention

Der wfv hat den grundsätzlichen Bedarf an Präventionsarbeit in Bezug auf Gewaltprävention schon vor einigen Jahren erkannt und auch entsprechend in seiner Satzung, seinen Ordnungen und Gremien verankert. Seit vielen Jahren verfolgt der wfv ein ganzheitliches Konzept, um Gewalt auf Sportplätzen entgegenzuwirken.

Der „primären Gewaltprävention“ zuzuordnen sind alle Maßnahmen, die im Allgemeinen vorbeugend gedacht sind, ohne bereits eine bestimmte Risikogruppe zu identifizieren. Angesprochen werden daher alle Personen. Im Fußball mit Kindern steht beispielsweise vor allem der Fair Play-Liga-Gedanke im Mittelpunkt. Ein ebensolches Beispiel ist die seit vielen Jahren im wfv praktizierte Meldepraxis von Fair Play-Aktionen („Fair-Play-Monatssieger“) über den Spielbericht und deren öffentliche Auszeichnung.

Ansprechpartner:
Philipp Martens
E-Mail: p.martens@wuerttfv.de
Tel.: 0711/22764-50

Ordnerschulungen zur Gewaltprävention auf Sportplätzen

Unter „sekundärer Gewaltprävention“ versteht man z.B. die Regelungen zur Gestellung von zwei durch Signalwesten gekennzeichneten Ordnungskräften bei Verbands- und Verbandspokalspielen der Herren. Diese Verpflichtung kann im Einzelfall auf Spiele der Reservemannschaften, der A- und B-Junioren sowie der Frauen ausgeweitet werden. In den vergangenen Jahren entwickelte der wfv seine Ordnerregelungen weiter. Der namentlichen Benennung der Ordner auf dem Spielberichtsbogen folgte ab der Spielzeit 2014/15 die zusätzliche Pflicht, sich kurz vor Spielbeginn in der Kabine des Schiedsrichters persönlich vorzustellen.

Die Wirksamkeit der Verpflichtung zur Gestellung von Ordnern setzt natürlich voraus, dass diese geschult werden, um ihren Aufgaben gerecht werden zu können, aber auch um die Grenzen ihrer Handlungsmöglichkeiten zu erkennen. Zum Maßnahmenpaket zählte deshalb auch die Fortsetzung der dezentralen Ordner-Schulungsreihe mit dem langjährigen wfv-Kooperationspartner Zweikampfverhalten e.V., unter Leitung von Rebekka Henrich – Neustart mit der Spielzeit 2017/18. Themen waren dabei Deeskalationsstrategien für Ordner, Konfliktminderungs- und Konfliktlösungsmöglichkeiten sowie anlassbezogene Kommunikation. In der Entwicklung stehen auch Deeskalationstrainings für Schiedsrichter.

Mit einem gewissen Stolz darf der wfv feststellen, dass die Gestellung von Ordnern beispielgebend für andere Landesverbände gewesen  und deshalb auch Bestandteil des DFB-Gewaltpräventionskonzepts „Fair ist mehr“ geworden ist.

Gewaltpräventionsseminare - "Coolnesstraining"

Die „tertiäre Gewaltprävention“ wendet sich schließlich an die kleinste Zielgruppe, nämlich an diejenigen, die bereits als „Sraffällige“ sichtbar wurden. Ihr kommt eine große Bedeutung zu, weil Erfolge und Misserfolge sichtbarer und messbarer als bei den anderen Präventionsarten zu Tage treten. Dies liegt auch am hohen Ziel, den Ursachen für Gewalt einzelfallorientiert entgegenzuwirken und erneute Gewalttätigkeiten möglichst dauerhaft zu verhindern. § 23 unserer Rechts- und Verfahrensordnung erlaubt es, unter bestimmten Bedingungen, zusätzlich zu Sperr- oder Geldstrafen, auch anlassbezogen Weisungen auszusprechen – von der Entschuldigung bei einem Mitspieler über die Teilnahme an einem Mediationsverfahren bis hin zur Mitwirkung an einer Gewaltpräventionsmaßnahme. Je nach Abhängigkeit des Falls, kann es sich hierbei um einzelne Spieler, aber auch um ganze Mannschaften handeln.

Für solch eine anspruchsvolle Aufgabe benötigt es jedoch einiges an Expertise, weshalb sich der wfv – auch aus Erfahrungen in der Vergangenheit – um externe Unterstützung bemühte. Auch für diese Aufgabe konnte der renommierte Verein Zweikampfverhalten e.V. gewonnen werden. Im Mittelpunkt der Schulungsveranstaltungen, die mitunter auch als „Coolnesstraining“ bezeichnet werden, stehen die Schlagworte Respekt, Toleranz und faires Miteinander im Sport und im Alltag. Es geht also nicht um eine rückwärtsgewandte Fallaufarbeitung, sondern vielmehr um Hilfestellung und Anregungen, wie in der Zukunft respektvoll, fair und tolerant im Sport agiert werden kann, um Rückfälle möglichst zu vermeiden. Gearbeitet wird in diesem Rahmen viel mit Rollenspielen, die den Teilnehmern einen gewinnbringenden Perspektivenwechsel eröffnen.

Unter der Leitung von Rebekka Henrich, Gründerin von Zweikampfverhalten e.V., und ihrem Team fanden bereits über 100 Seminare mit mehr als 30 Mannschaften und über 700 Teilnehmern statt. Der wfv bedankt sich an dieser Stelle bei seinem verlässlichen Kooperationspartner und freut sich auf eine weiterhin intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Gerade die Teilnahme an einer Gewaltpräventionsmaßnahme hat sich in vielen Fällen als wirksames Mittel erwiesen, weil diese einen betroffenen Spieler dazu bewegt, Zeit zu investieren und über sich und sein Verhalten nachzudenken. Oft erzielt diese Maßnahme eine bessere, vor allem eine nachhaltigere Wirkung, als dies durch eine Sperre oder eine Geldstrafe erreicht werden könnte. Denn das „Coolnesstraining“ verlangt eigene Initiative, verlangt Auseinandersetzung mit dem eigenen Fehlverhalten und wirkt deshalb eindringlicher als die Bezahlung eines Geldbetrages oder das Fehlen bei einem oder mehreren Spielen der eigenen Mannschaft.

Ansprechpartner:
Philipp Martens
p.martens@wuerttfv.de

0711/22764-50

Studie zur Gewalt auf Fußballplätzen

Eine aktuelle Studie der Universität Tübingen, mit deren kriminologischem Institut der wfv seit über zehn Jahren zusammenarbeitet, hat sich mit Gewaltvorfällen im Amateurfußball in Württemberg beschäftigt. Dazu wurden die vergangenen fünf Spielzeiten seit der Saison 2012/13 mit insgesamt 745.736 Spielen hinsichtlich Spielabbrüchen mit Gewaltvorfällen (verbal und physisch) analysiert. Grundlage bildeten Sondermeldungen der Schiedsrichter auf dem Spielbericht. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Zahlen auf einem sehr konstanten Niveau bewegen. Da die Anzahl der Tätlichkeiten, insbesondere im direkten Fünfjahresvergleich, rückläufig sind, lässt sich ein Trend zur Abnahme von Gewalt auf den württembergischen Fußballplätzen konstatieren.